Ein Reddit-Thread hat kürzlich einen Nerv getroffen. Die Frage dahinter ist simpel, aber unbequem: Lösen wir mit moderner Softwareentwicklung wirklich bessere Probleme oder bauen wir vor allem komplexere Systeme?
Viele IT-Verantwortliche kennen den Vergleich. Früher war Software oft unscheinbar, aber klar auf einen Zweck ausgerichtet. Sie lief stabil, war verständlich und hat Prozesse zuverlässig abgebildet.
Heute sind Systeme technisch beeindruckend, aber häufig schwer erklärbar, teuer im Betrieb und fachlich nicht zwingend besser. Dafür braucht es mehr Meetings, mehr Spezialwissen und mehr Geduld.
Der Punkt ist nicht, dass moderne Technologien schlecht wären.
Das Problem entsteht, wenn Architektur, Frameworks und „Best Practices“ wichtiger werden als der eigentliche Nutzen fürs Unternehmen. Wenn neu gebaut wird, weil etwas alt wirkt, nicht weil es fachlich bremst. Oder wenn Lösungen so generisch werden, dass sie den Bezug zur Realität verlieren.
Gleichzeitig wäre es naiv, ältere Systeme romantisch zu verklären.
Access-, Delphi- oder VBA-Lösungen enthalten zwar viel wertvolles Prozesswissen, können aber auch zur Sackgasse werden. Irgendwann stellt sich die Frage, wer diese Systeme noch betreut. Jüngere Fachkräfte wollen solche Technologien oft weder lernen noch langfristig pflegen. Spätestens dann wird aus Stabilität ein Risiko.
Die eigentliche Kunst liegt deshalb nicht im radikalen Ersetzen, sondern im klugen Weiterentwickeln. Fachliche Logik erhalten, Technik schrittweise modernisieren, Abhängigkeiten reduzieren und Wissen sichtbar machen. Evolution statt Big Bang.
Am Ende gilt eine einfache Regel: Software ist kein Selbstzweck. Sie soll Arbeit erleichtern, nicht verkomplizieren. Wenn ein System verständlich bleibt, mit dem Unternehmen mitwachsen kann und auch in fünf oder zehn Jahren noch betreut werden kann, dann ist es gut gebaut.
Modern oder nicht, ist dann fast Nebensache.
