Oh, Böhler-Kern-Stiftung (Nein!)

Ein Stich ins Herz, Trauer. Bin eigentlich kein Pflanzen-Mensch aber die Glyzinie an unserem Haus, die die Böhler-Kern-Stiftung Schweiz heute bei voller Blütenpracht vernichten liess – ohne uns vorab darüber zu informieren… ich trauere ihr nach.

Es tut richtig weh – auch Passanten sind geschockt.

Man könnte wohl bei der Gartenfirma nachfragen, wieviele Reaktionen sie heute während dieser 7-stündigen Operation erhielt. Ihnen tat die Aufgabe wohl auch weh.

Wer ist die Böhler-Kern-Stiftung?

Die Organisation „Böhler-Kern-Stiftung für Stipendien“ unterstützt Lernende und Ehemalige des BWZ Rapperswil im gewerblich-industriellen Bereich finanziell.

Möglich sind Beiträge für Stipendien, zinslose Darlehen, Schul- und Reisekosten, Spezialkurse, Exkursionen, beruflich notwendige Anschaffungen oder Weiterbildungen. Zudem kann das BWZ Rapperswil bei Unterrichtsmaterialien wie Werkzeugen, Maschinen oder Apparaten unterstützt werden, sofern keine öffentlichen Subventionen verfügbar sind.

Im Stiftungsrat sind:

  • Christian Dietrich, Dietrich AG Malergeschäft, Rapperswil
  • Walter Kälin, Walter Kälin Holzbau AG, Jona
  • Remo Agosti, Agosti Bauen Baulösungen GmbH, Jona
  • Roland Manhart, Leiter GIB BWZ Rappi, Jona
  • Kurt Jütz, Wagen

Quelle: Handelsregister Böhler-Kern-Stiftung

Wir haben im Jahr 2010 das Haus in einem üblen Zustand gemietet und für fast CHF 100’000 auf eigene Kosten renoviert. Dafür brauchten wir natürlich einen langjährigen Mietvertrag. Eine Auflage im Vertrag, der bis heute gilt, ist: die schöne alte Glyzinie muss jährlich von einer Fachperson gepflegt werden – und darf nicht entfernt werden.

Ausschnitt aus dem Mietvertrag, der unter der Böhler Kern Stiftung weiterhin gültig ist. Aber wohl nur für uns gilt.

Eine der schönsten Glyzinien in Rapperswil.

Rein rechtlich – ich bin kein Anwalt – war es vielleicht illegal, die schöne Glyzinie heute zu entfernen. Weiss das jemand? Ein Mietvertrag gilt doch für beide Seiten?

Die traurige Situation

Natürlich verstehe ich, dass die kleinen Balkone nicht dafür konzipiert wurden, dass eine solche Pflanze sie regelrecht in Beschlag nimmt. Ich verstehe, dass die Eigentümer etwas tun müssen, wenn die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann.

Deko-Stück, das herunter fiel.

Vor einigen Wochen fiel ein Metallteil – ein kleines (ca. 12cm) Stück Verzierung des Balkongeländers – ab, traf ein darunter parkiertes Dieci-Auto und verursachte so einen kleinen Schaden.

Der Versicherungsfall führte dazu, dass man – wie uns mitgeteilt wurde und wir durchaus verstanden – die Sicherheit der Balkone durch Fachpersonen überprüfen lassen wollte.

Soweit, so gut. Obwohl sehr schade, da die Pflanze gerade wunderschön violett blühte, wurde für diese Checks ein Baugerüst aufgebaut. Darüber wurden wir informiert.

Es kamen plötzlich die Sägen

Heute um 7 Uhr hörten wir das Geräusch von Sägen. Erst dachte ich: cool, das Gerüst kommt weg! Aber nein: eine Garten-Firma war mit der kompletten Entfernung der mietvertraglich geschützten und voll blühenden Pflanze beauftragt.

Null Information darüber im Vorfeld.

Meine Tochter ging weinend in die Schule. Arbeit im Home-Office war unmöglich aus emotionalen und akustischen Gründen. Video-Calls mussten abgesagt werden. Wie kann man dazu null informieren? Warum konnte man nicht bis nach dem Blühen warten? Und und dem Quartier etwas Zeit geben, das letzte Blühen noch zu geniessen?

Jetzt ist nichts mehr grün in der Strasse. Weil überhetzt irgendwas gemacht wurde ohne Dialog. Wir hätten wohl auf die Nutzung der Balkone verzichtet, um die Pflanze zu retten.

Dank der oben erwähnten Herren.
Lernt besser kommunizieren.

Warum ich das schreibe? Weil das unsere Familie, das Quartier und auch Passanten heute recht aufgewühlt hat. Auch als Therapie für mich, das rauszulassen. Auch haben wir uns zuerst direkt bei allen Verantwortlichen der Stiftung gemeldet und auch etliche Stunden später keine Rückmeldung erhalten. Nada. Wie auch auf die E-Mail vor ca. 1 Woche, in der meine Frau mitteilte, wie wichtig die Glyzinie ist für sie. Null Response.

Update 1: auch 25 Stunden nach Anfang des Dramas noch null Antworten von den Verantwortlichen bei der Böhler-Kern-Stiftung. Für mich unverständlich, weil sie ohne Frage im Bild sind, was hier passierte und auch unsere Nachrichten längst gesehen haben.

Update 2: mittlerweile wurde die Presse auf diesen Artikel aufmerksam durch die Posts von Passanten und mir dazu in den Rappi-Facebook Gruppen. Mal schauen, was da passiert… die Glyzinie werden sie halt nicht retten.

Update 3: Mittlerweile sind uns Informationen zugeflossen über die Umgangsformen des Böhler-Kern-Stiftungsrats, die sich decken mit dem, was wir grad erlebten (bzw deutlich darüber hinaus gehen). Mehr dazu gegebenenfalls zu späterem Zeitpunkt.

Zur Erinnerung: Baum der Weisheit

Die wunderschön blühende Glyzinie hier im Video als sprechender Baum, der Antworten gab auf Fragen der Passanten. Jetzt ist er tot, wohl aus strategischen Gründen vernichtet.

Ich hab das Video genau 1 Jahr vor der Vernichtung aufgenommen.

Einige Leute kommentieren, teilten oder fragten in den diversen privaten Facebook-Gruppen von Rappi, auf Instagram, in Mastodon, Bluesky, Threads oder LinkedIn. Ich hab sicher nicht alles gesehen. Danke für die lieben Worte.


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